Wie du Broteinheiten und Kohlenhydrateinheiten im Alltag berechnest, was 1 BE in gängigen Lebensmitteln entspricht und wofür der BE-Faktor steht.
In deutschen Diabetesschulungen wird in BE und KE gerechnet, nicht in Gramm. Das wirkt am Anfang wie eine zusätzliche Hürde, hat aber einen praktischen Grund: Wer eine Insulindosis zur Mahlzeit berechnet, braucht eine handliche Einheit statt dreistelliger Grammzahlen. Dieser Beitrag zeigt, wie die beiden Einheiten zusammenhängen, wie du sie aus jeder Nährwerttabelle ableitest und wo die Rechnung an ihre Grenzen stößt.
BE und KE: derselbe Gedanke, zwei Maßstäbe
- 1 BE (Broteinheit) = 12 g verwertbare Kohlenhydrate
- 1 KE (Kohlenhydrateinheit) = 10 g verwertbare Kohlenhydrate
- 1 BE = 1,2 KE — die Zahlen sind also nicht austauschbar
Die BE ist die ältere Einheit und steht noch in vielen Tabellen und Kochbüchern. Die KE setzt sich durch, weil sich mit 10 g im Kopf schlicht leichter rechnen lässt. Welche Einheit du nutzt, ist egal — entscheidend ist, dass du dieselbe verwendest wie dein Diabetesteam, denn der Insulinfaktor ist darauf bezogen. Wer einen auf BE berechneten Faktor mit KE-Zahlen multipliziert, spritzt rund 20 % zu viel.
Richtwerte: wie viel ist 1 BE?
- 25 g Brot — etwa eine halbe Scheibe Mischbrot
- Ein halbes Brötchen (rund 25 g)
- 70 g gekochte Kartoffeln — eine kleine Kartoffel
- 50 g gekochte Nudeln
- 45 g gekochter Reis
- 20 g Haferflocken
- 90 g Apfel oder Birne, 60 g Banane ohne Schale
- 250 ml Milch, 100 ml Orangensaft
Das sind Richtwerte, keine Messwerte. Sorte, Garzustand und Rezept verschieben sie um bis zu 20 %. Bei verpackten Lebensmitteln ist die Nährwerttabelle deshalb immer genauer als jede Austauschtabelle.
Selbst rechnen: die Nährwerttabelle genügt
Auf jeder Packung in der EU steht der Kohlenhydratgehalt je 100 g. Daraus wird die BE-Zahl in zwei Schritten:
- Schritt 1: Kohlenhydrate je 100 g × tatsächliche Portion in Gramm ÷ 100 = Kohlenhydrate der Portion
- Schritt 2: Kohlenhydrate der Portion ÷ 12 = BE (oder ÷ 10 = KE)
Ein Beispiel: Ein Müsli enthält 62 g Kohlenhydrate je 100 g, du isst 60 g davon. Das sind 37 g Kohlenhydrate, also rund 3,1 BE oder 3,7 KE. Die 250 ml Milch dazu bringen noch einmal 12 g, also 1 BE. Nach zwei, drei Wochen Übung schätzt du die gängigen Portionen, ohne die Waage zu holen — und wiegst nur noch bei neuen Gerichten nach.
BE-Faktor und Korrekturfaktor
Wer zu den Mahlzeiten Insulin spritzt, braucht zwei persönliche Zahlen. Der BE-Faktor (auch KE-Faktor) sagt, wie viele Einheiten Insulin eine Einheit Kohlenhydrate abdeckt. Er ist tageszeitabhängig und morgens meist am höchsten, weil die Insulinempfindlichkeit dann am geringsten ist. Der Korrekturfaktor sagt, um wie viel mg/dL eine Einheit Insulin den Blutzucker senkt.
Beide Zahlen legt dein Diabetesteam fest, und beide ändern sich — mit dem Gewicht, in der Schwangerschaft, bei Infekten, unter Kortison. Sie sind kein Wert, den man aus dem Internet übernimmt. Unser Rechner für das Insulin-Kohlenhydrat-Verhältnis zeigt dir, was deine Faktoren für eine konkrete Mahlzeit bedeuten, sobald du sie von deiner Praxis bekommen hast.
Was die BE-Zahl nicht verrät
- Ballaststoffe zählen nicht zu den verwertbaren Kohlenhydraten — in der EU-Kennzeichnung sind sie bereits herausgerechnet
- Zuckeralkohole wie Maltit oder Erythrit wirken deutlich schwächer als Zucker, stehen aber in der Kohlenhydratzeile
- Fett und Eiweiß verzögern den Anstieg: Pizza oder Sahnesoße treiben den Blutzucker oft erst nach drei bis fünf Stunden hoch
- Der Verarbeitungsgrad zählt: 1 BE Kartoffelpüree wirkt schneller als 1 BE Pellkartoffeln
- Die Reihenfolge am Teller zählt: Gemüse und Eiweiß zuerst, Kohlenhydrate zuletzt, dämpft die Spitze messbar
Deshalb bringt es mehr, eine Mahlzeit zweimal zu messen — direkt davor und zwei Stunden danach — als die BE-Zahl auf die zweite Nachkommastelle zu treiben. Nach ein paar solchen Paarmessungen weißt du, welche deiner Standardgerichte dich zuverlässig treffen und welche nicht.
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