Ab welchem Wert eine Unterzuckerung beginnt, woran du sie erkennst und wie die 15-15-Regel mit Traubenzucker oder Saft funktioniert — plus Notfall und Vorbeugung.
Bei Diabetes spricht man von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie), wenn der Blutzucker unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L) fällt. Typische Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Herzklopfen und Heißhunger. Dann gilt: sofort 15 bis 20 g schnelle Kohlenhydrate essen oder trinken, nach 15 Minuten nachmessen und bei Bedarf wiederholen. Wer bewusstlos ist, bekommt nichts in den Mund: Dann sofort die 112 rufen.
Ab welchem Wert du unterzuckert bist
Die American Diabetes Association (ADA) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) teilen Unterzuckerungen bei Menschen mit Diabetes in drei Stufen ein:
- Stufe 1: unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L) — ein Warnwert, auf den du reagieren solltest
- Stufe 2: unter 54 mg/dL (3,0 mmol/L) — eine deutliche Unterzuckerung, die sofort behandelt werden muss
- Stufe 3: eine schwere Unterzuckerung, bei der du auf die Hilfe einer anderen Person angewiesen bist, unabhängig vom gemessenen Wert
Welche Werte ohne Diabetes normal sind, steht im Beitrag zu normalen Blutzuckerwerten nach Alter.
Typische Anzeichen einer Unterzuckerung
Die ersten Warnzeichen kommen vom Stresshormon Adrenalin. Fehlt dem Gehirn länger Glukose, kommen Ausfälle dazu, die Außenstehende leicht für Betrunkenheit halten:
- Zittern, Schwitzen und Blässe
- Herzklopfen und innere Unruhe
- Plötzlicher Heißhunger
- Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Sehstörungen
- Gereiztheit, ungewohnte Stimmungsschwankungen
- Verwirrtheit, verwaschene Sprache, unsicherer Gang
- Im schlimmsten Fall Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit
Was tun: die 15-15-Regel
Miss, wenn möglich, zuerst nach. Ohne Messgerät behandelst du die Beschwerden im Zweifel wie eine Unterzuckerung:
- 15 bis 20 g schnelle Kohlenhydrate zu dir nehmen, also etwa 1,5 bis 2 KE
- Geeignet sind Traubenzucker (wie viele Täfelchen das sind, steht auf der Packung), 150 bis 200 ml Fruchtsaft oder zuckerhaltige Limonade — keine Light- oder Zero-Getränke
- Nach 15 Minuten erneut messen
- Liegt der Wert noch unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L), die gleiche Menge noch einmal nehmen
- Danach eine Scheibe Vollkornbrot oder Ähnliches essen, falls die nächste Mahlzeit noch länger hin ist
Schokolade, Kekse oder ein Müsliriegel sind keine erste Wahl: Das Fett darin bremst die Aufnahme des Zuckers, und es dauert länger, bis der Wert steigt.
Notfall: bewusstlos oder nicht mehr ansprechbar
Ist jemand bewusstlos oder kann nicht mehr sicher schlucken, darf er nichts zu essen oder zu trinken bekommen — es besteht Erstickungsgefahr. Bring die Person in die stabile Seitenlage und ruf sofort den Notruf 112. Wurde Glukagon verschrieben, als Spritze oder als Nasenspray, können Angehörige es geben, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Zeig deinen Angehörigen vorher, wo es liegt.
Wer gefährdet ist und was Unterzuckerungen auslöst
Ein echtes Risiko haben vor allem Menschen, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid oder Glimepirid einnehmen. Metformin allein führt nur selten zu einer Unterzuckerung. Häufige Auslöser sind:
- Ausgelassene oder verspätete Mahlzeiten nach der üblichen Dosis
- Sport und ungewohnte körperliche Arbeit — der Zucker kann auch Stunden danach noch fallen
- Alkohol: Die Leber ist mit dem Abbau beschäftigt und gibt weniger Zucker ab, die Unterzuckerung kommt oft verzögert, nachts oder am nächsten Morgen
- Zu viel Insulin, etwa durch eine falsch eingeschätzte Kohlenhydratmenge
Besonders tückisch sind nächtliche Unterzuckerungen. Hinweise darauf sind Albträume, ein nassgeschwitzter Schlafanzug, Kopfschmerzen am Morgen oder große Müdigkeit nach dem Aufwachen. Wer seit vielen Jahren Diabetes hat oder oft unterzuckert, kann zudem eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung entwickeln: Die Warnzeichen werden schwächer oder bleiben ganz aus. Sprich das in deiner Praxis an — konsequent vermiedene Unterzuckerungen, ein CGM und eine Diabetesschulung können helfen.
Unterzuckerung vorbeugen, auch am Steuer
- Regelmäßig messen, besonders vor dem Sport, vor dem Schlafen und nach Alkohol
- Vor dem Autofahren messen und bei niedrigem Wert gar nicht erst losfahren; die Details beschreibt die DDG-Leitlinie zu Diabetes und Straßenverkehr, besprich sie mit deiner Ärztin oder deinem Arzt
- Traubenzucker immer griffbereit haben, auch im Handschuhfach
- Mahlzeiten nicht auslassen, wenn die Therapie darauf abgestimmt ist
- Jede Unterzuckerung notieren und beim nächsten Termin in der Hausarztpraxis oder Schwerpunktpraxis ansprechen — oft lässt sich die Therapie anpassen
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Glucoly kostenlos herunterladenMedizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und Aufklärung und ersetzt keine medizinische Beratung. Wie du eine Unterzuckerung behandelst und welche Werte für dich gelten, ist individuell — besprich deine Therapie immer mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson und ändere Insulin- oder Tablettendosen nie eigenmächtig.
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